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Robust: der letzte "echte", vor der Daimler Chrysler Aera!

Bis dato gelten die Fahrzeuge der W124 Serie unter Fans als "Beste Benze aller Zeiten". Das liegt an der Qualität der eingesetzten Aggregate genauso wie an der Haltbarkeit der Karosserie und des Interieurs (Die berühme Kante am Fahrersitz jetzt einmal ausgenommen). Zwar haben besonders ältere Baureihen von Mercedes Benz den Ruf der Unverwüstlichkeit, allein modernen Ansprüchen von Handling, Sicherheit und Fahreigenschaften werden die Oldies natürlich nicht ganz gerecht. Rein vernunftmässig betrachtet, liegt der W124 zwischen den Welten "Traditionelle Qualität" und "Alltagstauglichkeit". Hier baute Mercedes Benz ein Fahrzeug, das unter dem Motto "Qualität vor Baukosten" entstand, vereint mit dem technischen Wissen der späten 80er Jahre. Fazit: Besonders die robusten und elektronikfreien (!!!) Dieselfahrzeuge sind als Kilometerfresser bekannt und der sechsstellige Tacho reicht bei vielen 200D-Exemplaren nicht aus, den Gesamtkilometerstand tatsächlich -geschweige denn auch nur annähernd - anzuzeigen.

(Visser W124 200D Automatik; Bj 1989)


Visser W124 200D Automatik in der Wiener Hofburg

VERSCHIEDEN TYPEN
Rein äusserlich sind mindestens drei Hersteller einfach zu unterscheiden,
die es auf nennenswerte Stückzahl gebracht haben. Bei Boonacker und
Visser beträgt die Öffnung für die mittlere Tür 87cm, bei Mercedes
hingegen
73cm. DAs weniger an Platz versuchte Mercedes mit einer
längsverstellbaren Mittelbank wettzumachen. Mercedes legte das
Typenkürzel auf "V124" fest.


Skizze Boonacker 124 (Scan eines Boonacker Datenblattes)


Skizze Mercedes V124 (Kopie aus Orignaltypenschein). Deutlich der Unterschied in der
Mitteltür erkennbar.

Dafür ist beim Mercedes V124 die Mittelbank verschiebbar, die Niederländer haben eine starre Bank, die ident mit der Sitzauflage und der Lehne der hinteren Sitzbank ist, eingebaut. Lediglich die Abdeckung der Rückenlehne ist Sonderanfertigung.
Nachteil der Niederländer: Die mttlere Bank ist relativ hoch. womit die letzte Reihe relativ "eingemauert" wirkt.

Auch am Dach gibt es entscheidende Unterschiede. Schwarzes Vinyl findet sich nur bei Boonacker und Visser, Mercedes glänzt mit Blech.Besonders bei grossen glatten Flächen ist eine optisch einwandfreie Blechverarbeitung nur schwer möglich, wenn das Dach nicht - wie bei Benz - aus "einem Guss" besteht. Und die bevorzugte Farbe Schwarz deckt da jegliche Unebenheiten schonungslos auf, also nahezu ein Ding der Unmöglichkeit, hier ein perfektes Ergebnis zu erzielen. Zudem die Verwindungen, Hitze und Vibrationen schnell für unansehnliche Lackrisse dorgen könnten. Es sind zwar einige Boonacker bekannt, die ohne Vinyl ausgestattet sind, allerdings in weiss. Zumindest bei einem wurde nachträglich ein Blechdach eingeschweisst. Allerdings muss festgehalten werden, dass Boonacker den langen 124 bereits 1986/87 angeboten hat, der V124 ab Mercedes erst 1989. Womit die Begriffe Nachbau und Original etwas verschwimmen...
Die Mercedes-Rohkarosserien wurden bei Binz in Lorch in Auftrag gegeben, die Endmontage erfolgte wiederum in Stuttgart.

ad "Modellpflege": Viele ältere Fahrzeuge wurden auf den Modellwechsel 91 nachträglich getrimmt, sofort erkennbar an den Planken, die zum Beispiel für einen 87er Boonacker nicht vorhanden sein sollten. Diese Modellpflege wurde teilweise im Zuge der Umbauarbeiten - oder eben auch nachträglich erledigt. Nachdem zum Beispiel Boonacker auf Kundenwunsch auch gebrauchte Fahrzeuge streckte, kam es durchaus vor, dass ein W124, Modell 1988, erst 1991 gestreckt wurde und gleich auch ab Boonacker Werk "aktualisiert" wurde. Nicht selten wurde das Fahrzeug auch umlackiert. Ein weiss ausgelieferter viertüriger W124 kann schon mal ein langer schwarzer Boonacker sein.
Auskunft über die originale Auslieferungskonfiguration ab Werk lässt sich mit der VIN - Nummer feststellen.
Bei Mercedes direkt auf Anfrage, oder auch hier zum Beispiel (KLICK).
Ein solcher Check empfiehlt sich auch, um die Motordaten zu überprüfen. Besonders bei Importfahrzeugen ist es für eine einfachere Genehmigung wichtig, dass auch die originale Motorkonfiguration übereinstimmt. Nicht wenige Fahrzeuge aus den Niederlanden wurden von Benzin auf Diesel - und umgekehrt - umgerüstet. Womit sich eine technische Vollabnahme etwas verkomplizieren könnte.

Glenfrome Engineering Ltd. (Glenfrome of Bristol) baute die offensichtlich längste
Version des 124 in sechstüriger und auch in viertüriger Variante. Beachtenswert der
Heckspoiler. Obwohl Glenfrome eher unter dem Begriff "Bestattungswagen" zu finden
ist, scheiden die beiden Stretchlimos als Begleitfahrzeuge damit wohl eindeutig aus. Da
Glenfrome auch Sonderfahrzeuge wie 6-rädige Range-Rovers und diverse Range-
Rover Cabrios für den arabischen Raum gebaut hat, wird auch dieser 124 als edler
Mannschafts- oder Haremstransporter zur Verwendung bestimmt worden sein. 


(Scan: Bram Courts)

ABSOLUTE RARITÄT...

...ist der 124 Kombi von Schulz (Photo: Internet)

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